Azubis mit Lernschwäche: Ansbacher Logistikzentrum ist Vorreiter

 

Die Firma Johann Mader gibt Auszubildenden mit Beeinträchtigung eine Chance. In einer einzigartigen Kooperation mit dem Berufsbildungswerk Bezirk Mittelfranken profitieren die Jugendlichen vom laufenden Praxisbetrieb eines Logistikzentrums- und einer intensiven pädagogischen Betreuung.

 

Navigationsgeräte stellen sie bei der Firma Mader im mittelfränkischen Ansbach-Brodswinden zwar nicht her. Unnütz wäre ein solches auf dem Weg durch die riesige Halle, in der sich meterhoch Paletten, Kisten und Kartons türmen, aber keineswegs. Vor einem der imposanten Lagerregale faltet eine Gruppe junger Männer Verpackungen für Spezialteile. Unter ihnen ist Julian, der die Kartons verklebt.

Der 23-Jährige macht eine Ausbildung zum Fachpraktiker für Lagerlogistik. Dass er die Chance bekommen hat, einen Beruf zu erlernen, verdankt er in erster Linie der Firma Mader. Bis dahin war es jedoch ein steiniger Weg über bürokratische Hürden, denn Julian braucht aufgrund seiner Lernschwäche mehr Betreuung als andere. Die Lösung: eine Kooperation mit dem Berufsbildungswerk Bezirk Mittelfranken (BBW), das einen Mitarbeiter des Sozial- und Integrationsdienstes mit Rehabilitationspädagogischen Zusatzqualifikation (ReZA) in das Unternehmen schickte. Die Zusammenarbeit erwies sich als Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Während Julian gemeinsam mit sechs weiteren Azubis im Mader-Logistikzentrum Praxiserfahrung unter laufenden Produktionsbedingungen sammeln kann, hat das BBW durch dieses Engagement einen wichtigen Partner gefunden, der die nötige Infrastruktur und Geduld für die beeinträchtigten Jugendlichen aufbringt. „Bei der Firma Mader finden wir Personen, die innovativ sind und das Ganze mittragen“, freut sich BBW-Ausbildungsleiter Hans Werner Pickel. Auch das Unternehmen profitiert von dem einzigartigen inklusiven Doppel-Projekt, indem eine BBW-Ausbildungswerkstatt mit Ausbilder und Fachpersonal in ein Logistikzentrum verlagert wird, gleichzeitig die Unterstützung des firmeneigenen Azubis gelingt. Ziel der Firma Mader ist es, so viele der Azubis wie möglich als zukünftige Mitarbeiter zu gewinnen: „Wir freuen uns, gut ausgebildete Fachkräfte zu übernehmen“, sagt Mader-Niederlassungsleiter Klaus Springer. Die Agentur für Arbeit finanziert die Ausbildung inklusive der intensiven Betreuung.

Wichtig sei es, bei allem Fördern und Fordern den Jugendlichen genügend Zeit zu geben. „Wir pflanzen Bäume, keine Sträucher. Am Anfang muss die Firma investieren, aber langfristig zahlt sich das aus. Diese Azubis identifizieren sich mit dem Unternehmen und sind sehr loyale Mitarbeiter“, ist Matthias-Heppel-Kämmerer, Leiter der Ansbacher Außenstelle des Berufsbildungswerks Bezirk Mittelfranken Hören Sprache Lernen, überzeugt.

Es gab noch nie schiefe Blicke von den Kollegen; das gehört für Susanne Martin, Leiterin Verwaltung und Personal der Mader Gruppe, zu einem respektvollen Miteinander. Die Integration verläuft völlig problemlos, betont Martin.

Julian ist mittlerweile im zweiten Lehrjahr. Die Stationen Versand und Wareneingang hat er bereits kennengelernt. Besonders stolz ist er auf seinen Staplerschein, den er im Betrieb machen konnte. „Das Staplerfahren macht mir besonders Spaß“, grinst er. Auch auf Unternehmensseite ist man zufrieden mit der positiven Entwicklung. „Julian ist ein toller, motivierter Mitarbeiter. Wenn er in der Berufsschule gute Noten schreibt, teilt er mir das immer gleich über WhatsApp mit“, sagt Susanne Martin.

Nach dem Ende der dreijährigen Lehre möchte Julian gern im Unternehmen bleiben und ein fester Bestandteil des rund 700 Mann starken Logistikunternehmens werden. „Mir gefällt es hier und die Kollegen sind nett.“ Sein Wunsch ist ganz im Sinne seiner Förderer.

Von | 2018-01-16T16:17:51+00:00 Dezember 6th, 2017|Allgemein, Best Practice Inklusion|0 Kommentare

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