Inklusion bei der Psyma Group AG

Schon seit einigen Jahren ist Tiago Graf bei der Psyma Group AG, einem Marktforschungsunternehmen in Rückersdorf bei Nürnberg, beschäftigt. Er öffnet u.a. die Post, scannt Rechnungen, verpackt Geschenke, vernichtet Akten. Der junge Mann mit Trisomie 21 hat ein unbefristetes sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis.

Diese Beschäftigung kam durch die Integrationsbegleitung Access zustande. Schon andere von Access betreute Menschen mit Behinderung absolvierten ein Praktikum in dem Unternehmen, aber erst bei Tiago Graf stimmte die Chemie, so dass man sich nach 2 Praktika von jeweils 6 Monaten dazu entschied, ihm einen festen Arbeitsplatz anzubieten. Die Psyma Group erhält vom Integrationsamt einen Zuschuss für sein Gehalt. In regelmäßigen Abständen kommt die Betreuerin von Access und unterstützt nach Bedarf.

Täglich fährt Tiago Graf selbständig mit der S-Bahn über den Nürnberger Hauptbahnhof zu seinem Arbeitgeber in Rückersdorf. Auch wenn es einmal Verspätungen oder Zugausfälle gibt, meistert er dies problemlos.

Über die Zeit hat sich herauskristallisiert, welche Tätigkeiten Tiago Graf gut übernehmen kann und bei welchen er an Grenzen stößt. Bei Sonderaufgaben, die außer der Reihe aufkommen, tut er sich manchmal schwer. Er braucht klare Strukturen und die Anweisungen kommen idealerweise von nur einer vertrauten Person. In diesem Fall ist dies Elke Böckl, die als Senior Executive Management Assistent seine Hauptansprechpartnerin ist. „Er braucht viele Erklärungen, warum und weshalb er etwas machen soll. Dann macht er es gerne.“ beschreibt sie ihre Zusammenarbeit. Ohne die intensive Betreuung und den persönlichen Einsatz von Elke Böckl würde die Beschäftigung nicht gelingen.

Die Personalleiterin Anne Morris beschreibt es so: „Es hat viel mit Haltung zu tun“. Für die Mitarbeiter ist es gut jemanden zu haben, der ihnen zeigt, dass man auch über den Tellerrand schauen muss. Um gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und dauerhaft zu halten, müssen Unternehmen authentisch sein und Verantwortung übernehmen – nach innen wie nach außen. Anderen Unternehmen rät sie, Inklusion einfach auszuprobieren, die Menschen ernst zu nehmen, nicht gleich aufzugeben, aber auch den Mut zu haben, „Nein“ zu sagen. Und Frau Böckl ergänzt: „Einfach machen, weil es gut für die Mitarbeiter ist“. Die Kollegen haben Tiago Graf ins Herz geschlossen. Wenn für Mitarbeiter gesammelt wird, z.B. anlässlich einer Hochzeit, übernimmt Tiago Graf diese Aufgabe. Beim Überreichen der Geschenke lässt er es sich nicht nehmen, persönliche und oftmals auch sehr bewegende Worte an die Empfänger zu richten. Mit seinem sympathischen Auftreten gehört er ganz selbstverständlich dazu.

 

Von | 2018-01-16T16:13:41+00:00 Januar 16th, 2018|Best Practice Inklusion|0 Kommentare

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