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Unerhört gut – Beschäftigung einer gehörlosen Mitarbeiterin im Maritim Hotel Nürnberg

Foto von Frau K. in ihrer Arbeitskleidung

Freut sich über ihre neue Tätigkeit beim Maritim Hotel Nürnberg – die gehörlose Frau K.

Inspiriert von einem anderen Nürnberger Hotel, reifte in Miroslava Polig, Personalleiterin des Maritim Hotel Nürnberg, die Idee, eine vakante Stelle in der Zimmerreinigung mit einer gehörlosen Mitarbeiterin zu besetzen. Unterstützung bekam Sie bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken und Frau Delchmann vom Integrationsfachdienst, die fließend Gebärdensprache beherrscht und unter anderem die gehörlose Beate K. betreut. Sie begleitete Frau K. zum Vorstellungsgespräch im Maritim Hotel und bei dem anschließenden Termin zum Probearbeiten. Ein erfahrenes Zimmermädchen zeigte Frau K. die wichtigsten Handgriffe und Abläufe – auch ohne Worte funktionierte die Verständigung wunderbar. Beate K., die keine Vorerfahrungen in der Zimmerreinigung hatte, konnte sich so ein konkretes Bild des Tätigkeitsbereiches machen. Beate K. gefiel die Tätigkeit und so bekam sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Das Maritim Hotel Nürnberg bekommt für die ersten beiden Jahre der Beschäftigung einen Wiedereingliederungszuschuss. Zusätzlich verringert sich die Ausgleichsabgabe, da freut sich die Personalleiterin. Für Besprechungen oder Betriebsversammlungen kann über die Agentur für Arbeit ein Gebärdendolmetscher abgerechnet werden. Doch wie funktioniert die Kommunikation, wenn dieser nicht im Haus ist? „Vieles wird schriftlich notiert“, erklärt Frau Schönpflug, die als Hausdame für die Arbeit der Zimmermädchen verantwortlich ist. „Außerdem nutzen wir WhatsApp, Frau K. hat ihr Handy stets bei sich und kann so informiert werden.“ Für die Gäste auf der Etage, für die Beate K. zuständig ist, gibt es einen Flyer, in dem sie sich vorstellt und darauf hinweist, die rote „Bitte-nicht-stören-Karte“ zu benutzen. Außerdem trägt sie einen Button mit dem Symbol für Gehörlosigkeit. Zu Reklamationen kam es bislang nicht. Von den Kolleginnen wird Frau K. als Ruhepol geschätzt und gut ins Team integriert. Frau Polig berichtet: „wir haben nur positive Erfahrungen gemacht“. Diese guten Erfahrungen haben das Hotel dazu bewegt, noch eine weitere gehörlose Mitarbeiterin einzustellen. Die beiden haben sich auf Anhieb verstanden und Frau K. kann die Einarbeitung übernehmen. Auch das Stellen der Förderanträge bei der Agentur für Arbeit ist beim zweiten Mal nur noch halb so aufwendig, da das Prozedere jetzt schon bekannt ist. Das Fazit von Personalleiterin Polig: „Die Einstellung von „besonderen“ Menschen erfordert von den anderen Mitarbeitern, sich zu reflektieren und zu hinterfragen und führt dadurch auch zu einer Sensibilisierung im Team. Außerdem ist es durch die Fördermöglichkeiten auch wirtschaftlich. Die Hausdame Frau Schönpflug rät anderen Unternehmen, nicht so zögerlich zu sein. Frau K. ist eine gesunde junge Frau, die anpacken kann und offensichtlich ein Gewinn für das Unternehmen.

Von | 2018-02-27T11:31:11+00:00 Februar 27th, 2018|Allgemein, Best Practice Inklusion|0 Kommentare

Inklusion bei der Psyma Group AG

Schon seit einigen Jahren ist Tiago Graf bei der Psyma Group AG, einem Marktforschungsunternehmen in Rückersdorf bei Nürnberg, beschäftigt. Er öffnet u.a. die Post, scannt Rechnungen, verpackt Geschenke, vernichtet Akten. Der junge Mann mit Trisomie 21 hat ein unbefristetes sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis.

Diese Beschäftigung kam durch die Integrationsbegleitung Access zustande. Schon andere von Access betreute Menschen mit Behinderung absolvierten ein Praktikum in dem Unternehmen, aber erst bei Tiago Graf stimmte die Chemie, so dass man sich nach 2 Praktika von jeweils 6 Monaten dazu entschied, ihm einen festen Arbeitsplatz anzubieten. Die Psyma Group erhält vom Integrationsamt einen Zuschuss für sein Gehalt. In regelmäßigen Abständen kommt die Betreuerin von Access und unterstützt nach Bedarf.

Täglich fährt Tiago Graf selbständig mit der S-Bahn über den Nürnberger Hauptbahnhof zu seinem Arbeitgeber in Rückersdorf. Auch wenn es einmal Verspätungen oder Zugausfälle gibt, meistert er dies problemlos.

Über die Zeit hat sich herauskristallisiert, welche Tätigkeiten Tiago Graf gut übernehmen kann und bei welchen er an Grenzen stößt. Bei Sonderaufgaben, die außer der Reihe aufkommen, tut er sich manchmal schwer. Er braucht klare Strukturen und die Anweisungen kommen idealerweise von nur einer vertrauten Person. In diesem Fall ist dies Elke Böckl, die als Senior Executive Management Assistent seine Hauptansprechpartnerin ist. „Er braucht viele Erklärungen, warum und weshalb er etwas machen soll. Dann macht er es gerne.“ beschreibt sie ihre Zusammenarbeit. Ohne die intensive Betreuung und den persönlichen Einsatz von Elke Böckl würde die Beschäftigung nicht gelingen.

Die Personalleiterin Anne Morris beschreibt es so: „Es hat viel mit Haltung zu tun“. Für die Mitarbeiter ist es gut jemanden zu haben, der ihnen zeigt, dass man auch über den Tellerrand schauen muss. Um gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und dauerhaft zu halten, müssen Unternehmen authentisch sein und Verantwortung übernehmen – nach innen wie nach außen. Anderen Unternehmen rät sie, Inklusion einfach auszuprobieren, die Menschen ernst zu nehmen, nicht gleich aufzugeben, aber auch den Mut zu haben, „Nein“ zu sagen. Und Frau Böckl ergänzt: „Einfach machen, weil es gut für die Mitarbeiter ist“. Die Kollegen haben Tiago Graf ins Herz geschlossen. Wenn für Mitarbeiter gesammelt wird, z.B. anlässlich einer Hochzeit, übernimmt Tiago Graf diese Aufgabe. Beim Überreichen der Geschenke lässt er es sich nicht nehmen, persönliche und oftmals auch sehr bewegende Worte an die Empfänger zu richten. Mit seinem sympathischen Auftreten gehört er ganz selbstverständlich dazu.

 

Von | 2018-01-16T16:13:41+00:00 Januar 16th, 2018|Best Practice Inklusion|0 Kommentare

Azubis mit Lernschwäche: Ansbacher Logistikzentrum ist Vorreiter

 

Die Firma Johann Mader gibt Auszubildenden mit Beeinträchtigung eine Chance. In einer einzigartigen Kooperation mit dem Berufsbildungswerk Bezirk Mittelfranken profitieren die Jugendlichen vom laufenden Praxisbetrieb eines Logistikzentrums- und einer intensiven pädagogischen Betreuung.

 

Navigationsgeräte stellen sie bei der Firma Mader im mittelfränkischen Ansbach-Brodswinden zwar nicht her. Unnütz wäre ein solches auf dem Weg durch die riesige Halle, in der sich meterhoch Paletten, Kisten und Kartons türmen, aber keineswegs. Vor einem der imposanten Lagerregale faltet eine Gruppe junger Männer Verpackungen für Spezialteile. Unter ihnen ist Julian, der die Kartons verklebt.

Der 23-Jährige macht eine Ausbildung zum Fachpraktiker für Lagerlogistik. Dass er die Chance bekommen hat, einen Beruf zu erlernen, verdankt er in erster Linie der Firma Mader. Bis dahin war es jedoch ein steiniger Weg über bürokratische Hürden, denn Julian braucht aufgrund seiner Lernschwäche mehr Betreuung als andere. Die Lösung: eine Kooperation mit dem Berufsbildungswerk Bezirk Mittelfranken (BBW), das einen Mitarbeiter des Sozial- und Integrationsdienstes mit Rehabilitationspädagogischen Zusatzqualifikation (ReZA) in das Unternehmen schickte. Die Zusammenarbeit erwies sich als Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Während Julian gemeinsam mit sechs weiteren Azubis im Mader-Logistikzentrum Praxiserfahrung unter laufenden Produktionsbedingungen sammeln kann, hat das BBW durch dieses Engagement einen wichtigen Partner gefunden, der die nötige Infrastruktur und Geduld für die beeinträchtigten Jugendlichen aufbringt. „Bei der Firma Mader finden wir Personen, die innovativ sind und das Ganze mittragen“, freut sich BBW-Ausbildungsleiter Hans Werner Pickel. Auch das Unternehmen profitiert von dem einzigartigen inklusiven Doppel-Projekt, indem eine BBW-Ausbildungswerkstatt mit Ausbilder und Fachpersonal in ein Logistikzentrum verlagert wird, gleichzeitig die Unterstützung des firmeneigenen Azubis gelingt. Ziel der Firma Mader ist es, so viele der Azubis wie möglich als zukünftige Mitarbeiter zu gewinnen: „Wir freuen uns, gut ausgebildete Fachkräfte zu übernehmen“, sagt Mader-Niederlassungsleiter Klaus Springer. Die Agentur für Arbeit finanziert die Ausbildung inklusive der intensiven Betreuung.

Wichtig sei es, bei allem Fördern und Fordern den Jugendlichen genügend Zeit zu geben. „Wir pflanzen Bäume, keine Sträucher. Am Anfang muss die Firma investieren, aber langfristig zahlt sich das aus. Diese Azubis identifizieren sich mit dem Unternehmen und sind sehr loyale Mitarbeiter“, ist Matthias-Heppel-Kämmerer, Leiter der Ansbacher Außenstelle des Berufsbildungswerks Bezirk Mittelfranken Hören Sprache Lernen, überzeugt.

Es gab noch nie schiefe Blicke von den Kollegen; das gehört für Susanne Martin, Leiterin Verwaltung und Personal der Mader Gruppe, zu einem respektvollen Miteinander. Die Integration verläuft völlig problemlos, betont Martin.

Julian ist mittlerweile im zweiten Lehrjahr. Die Stationen Versand und Wareneingang hat er bereits kennengelernt. Besonders stolz ist er auf seinen Staplerschein, den er im Betrieb machen konnte. „Das Staplerfahren macht mir besonders Spaß“, grinst er. Auch auf Unternehmensseite ist man zufrieden mit der positiven Entwicklung. „Julian ist ein toller, motivierter Mitarbeiter. Wenn er in der Berufsschule gute Noten schreibt, teilt er mir das immer gleich über WhatsApp mit“, sagt Susanne Martin.

Nach dem Ende der dreijährigen Lehre möchte Julian gern im Unternehmen bleiben und ein fester Bestandteil des rund 700 Mann starken Logistikunternehmens werden. „Mir gefällt es hier und die Kollegen sind nett.“ Sein Wunsch ist ganz im Sinne seiner Förderer.

Von | 2018-01-16T16:17:51+00:00 Dezember 6th, 2017|Allgemein, Best Practice Inklusion|0 Kommentare

Inklusionsprojekt „Wir geHÖREN dazu“

Im InterCityHotel Nürnberg sind seit einiger Zeit auch mehrere gehörlose Mitarbeiterinnen in der Zimmerreinigung beschäftigt. Das Projekt „Wir geHÖREN dazu“, das in Zusammenarbeit mit dem Hoteldienstleister Richter Premium und dem Integrationsfachdienst (IFD) gGmbH durchgeführt wird, soll dazu beitragen, dass Menschen mit Behinderung der Weg in die Arbeitswelt erleichtert und ermöglicht wird. Im Video berichten die Projektverantwortlichen über die Erfahrungen, die im Rahmen des Projektes gesammelt wurden.

Von | 2018-01-16T16:17:34+00:00 November 27th, 2017|Best Practice Inklusion|0 Kommentare